Strom sparender Computereinsatz hilft nicht zuletzt auch Kosten zu senken. ADMIN 02/2011 geht der Frage nach, was Administratoren tun können, damit ihre ... (mehr)

TCO-Berechnungen

Bei den Energieverbrauchsmessungen an PCs diente ein Acer Aspire M3610A als Referenzmodell, nachdem er sich mit 75 Watt im Betrieb und nur 6 Watt im Stand-by-Modus als das energiesparendste Modell erwiesen hatte. Die Verbrauchswerte aller im Kleinunternehmen gemessenen Modelle lagen zwischen 91 und 170 Watt im Betrieb. Sie unterschieden sich auch im Stand-by-Modus deutlich, in dem immerhin bis zu 9 Watt anfielen, was sich merklich in der Stromrechnung niederschlagen dürfte. Erwartungsgemäß waren neuere Modelle effizienter, insbesondere der Arbeitsspeicher hatte einen höheren Wirkungsgrad. Da die Rechner des Mittelständlers im Vergleich mit dem Kleinunternehmen neuer waren, wiesen sie auch eine bessere Energiebilanz auf (Leistungsaufnahme 74 bis 96 Watt bei durschnittlicher Last, unter Maximallast bis 140 Watt).

Wesentlich größere Unterschiede ergaben sich bei den Servern, wo die Differenz zwischen geringstem und höchsten Stromverbrauch im Schnitt bei 251 Watt, unter Volllast sogar bei 448 Watt lag. Im Fall des Großunternehmens wurde zusätzlich die Alternative Thin Client betrachtet, bei der nur ein Viertel des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen PC anfällt.

Die TCO-Berechnungen nahmen für alle vier Größenklassen an, dass das Unternehmen entweder alle drei Jahre die alte gegen neue Hardware tauschte oder nur aufrüstete. Für den Alleinunternehmer hätte das Aufrüsten nach neun Jahren eine Ersparnis von insgesamt über 4000 Euro ergeben, wobei die Forscher unterstellten, dass er sich bei der Neuanschaffung hätte beraten und schulen lassen müssen ( Tabelle 2 ).

Auch das Kleinunternehmen hat wie die Ich-AG keine eigene IT-Abteilung, muss aber mindestens einen Admin schulen. Die Schulungskosten bei Neuanschaffung liegen dabei in derselben Größenordnung wie die mit der moderneren Hardware eingesparten Stromkosten. Bleiben allerdings die viel höheren Hardwarekosten, die eine regelmäßige Neuanschaffung um mehr als 17 000 Euro gegenüber der Aufrüstung verteuern ( Tabelle 3 ).

Der Mittelständler in der Studie verfügt über eine eigene IT-Abteilung, die auch die nötige Recherche und Beratung übernehmen kann, für die in diesem Fall ein interner Aufwand entsteht. Mehr neue Rechner sparen natürlich auch mehr Strom, so dass dieser Faktor hier erstmals mit fast 1 000 Euro im Jahr ins Gewicht fällt. Trotzdem ist auch hier die Version mit Aufrüstung statt Neukauf deutlich günstiger ( Tabelle 4 ).

Der Großkonzern steigt im Modell der Studie auf Thin Clients um. Weil die nur ein Viertel des Stroms brauchen, den ein PC benötigt, lassen sich in diesem Maßstab fast 100 000 Euro Stromkosten einsparen, aber auch das reicht lange nicht, um die Mehrkosten der Neuanschaffung zu kompensieren ( Tabelle 5 ).

Teurer, aber ökologischer?

Wie sich zeigt, ist in jeder Größenklasse die komplette Neuausrüstung im Drei-Jahres-Takt immer der teurere Weg ist ( Tabelle 6 ). Das heißt ja aber noch nicht, dass damit nicht vielleicht so gravierende ökologische Nutzeffekte verbunden sein könnten, dass diese Variante dennoch gerechtfertigt scheint. Ob dem so ist, sollte eine Untersuchung der ökologischen Auswirkungen der beiden untersuchten Strategien zeigen.

Der Analyse der ökologische Effekte diente im Rahmen der Studie eine Untersuchung des kompletten PC Lebenszyklus. "Das Ziel dieser Lebenszyklusanalyse", schreiben die Autoren, "ist die Identifikation der Computerbestandteile und Analyse des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen während eines kompletten Lebenszyklus eines Computers. Diese Betrachtung beschränkt sich auf die Zusammenstellung des Energieaufwandes und der entstehenden CO2-Emissionen in jedem Lebensabschnitt."

Der gesamte Herstellungsprozess eines neuen Computers verbraucht 2136 MJ Energie und produziert rund 147 kg CO2-Emissionen. Der größte Teil davon (1447 MJ Energie und 98,92 kg CO2) entfällt dabei auf die Herstellung der Ausgangsmaterialien, die eigentliche Produktion des Endprodukts benötigt nur noch 286 MJ Energie und setzt 17,03 kg CO2 frei, der Rest ist der Distributionsphase zuzurechnen.

Diese Werte lassen sich auf einzelne Komponenten herunterbrechen, wie Tabelle 7 zeigt. Den größten Anteil am Energieverbrauch wie am CO2-Ausstoß hat das Mainboard, gefolgt vom Netzteil des Rechners.

Die Gebrauchsphase beurteilten die Untersucher anhand der oben bereits erwähnten Energieverbrauchsmessungen im Betrieb. Dabei ergaben sich als Mittelwerte für die Leistungsaufnahme pro Stunde bei einem PC 81 Watt, bei einem Server 188 Watt, für einen Bildschirm 37 Watt, für einen Drucker 300 Watt oder 46 Watt für einen Laptop. In dem untersuchten mittelständischen Unternehmen summierten sich die Werte aller EDV-Geräte zu einem Stromverbrauch von 1 319 Watt pro Stunde, was 87 Prozent des Stromverbrauchs der gesamten Firma entsprach. Einsparpotenziale liegen, so die Autoren, vor allem im Stand-by-Betrieb.

Was bedeutet dies nun im Hinblick auf die Entscheidung zwischen Neukauf und Ausrüstung. Die Autoren der Studie ziehen nach umfangreichen Berechnungen folgendes Fazit: "Aus Sicht der Umwelt wirkt sich die Neuanschaffung eines energieeffizienten Computers im Vergleich zu einer Aufrüstung nur in den ersten drei Jahren und sieben Monaten negativ aus. Nach diesem Zeitraum macht sich die Energieeffizienz des neuen Rechners bemerkbar. Demnach ist eine Entscheidung zwischen Neuanschaffung und Aufrüstung aus ökologischer Sicht in den definierten Betrachtungszyklen von 3 Jahren nicht eindeutig möglich. Nach den ersten drei Jahren soll aufgerüstet und nach den zweiten 3 Jahren neu angeschafft werden. Damit sollten sich die beiden Varianten, Neuanschaffung und Aufrüstung, in Hinsicht auf ein ökologisches Optimum abwechseln."

Die Autoren warnen davor, in die Falle zu tappen: "Weitere Überlegungen führen jedoch dazu, dass die Entscheidung zur Aufrüstung nach 3 Jahren nicht die ökologischste Variante darstellt. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass die nächsten 3 Jahre nur zu einem kleinen Teil, nämlich 7 Monate, noch als energieeffizient zu bewerten sind. In den restlichen 2 Jahren und 5 Monaten befindet sich der jeweilige Rechner aus ökologischer Sicht in einem ineffizienten Status. Aus diesem Grund kann aus der vorliegenden Studie geschlossen werden, dass im ökologischen Sinne eine Neuanschaffung alle 3 Jahre über einen Betrachtungszeitraum von 9 Jahren gegenüber der Aufrüstung zu bevorzugen ist." Das Optimum, so die Studie, läge bei einem Neuanschaffungszyklus von 3 Jahren und 7 Monaten.

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