Zeitreise: Das Ethernet-Patent

11.12.2012

Fast auf den Tag genau heute vor 35 Jahren, am 13. Dezember 1977, wurde in den USA ein Patent auf einen "Apparat zur Ermöglichung der Kommunikation zwischen zwei oder mehr Datenverarbeitungseinheiten mit Hilfe eines in verzweigten Segmenten verlegten Kabels" gewährt: Ethernet.

Das Ethernet-Patent fällt nicht zufällig mit der Geburtsstunde des PC zusammen: Die beginnende Dezentralisierung setzte das Thema Datentransfer auf die Agenda. Im selben Jahr wie Ethernet, 1977, erblickte beispielsweise auch der Apple II, der erste Mikrocomputer mit nennenswerter Verbreitung, das Licht der Welt. Noch sollte es zwar rund ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Gewichte endgültig weg vom Mainframe und hin zu dezentralen PCs verschoben hatten, aber die Entwicklungen  am Ende der Siebzigerjahre bereiteten dem Siegeszug des Desktoprechners den Boden.
Entwickelt vom späteren 3Com-Gründer Robert Metcalfe am Xerox Palo Alto Research Center, war Ethernet zunächst ein firmenspezifisches Protokoll. Das war zu dieser Zeit durchaus üblich: DEC hatte DECnet, IBM seine Systems Network Architecture (SNA), Apple AppleTalk, Novell sein Internetwork Packet eXchange (IPX) und Xerox nun eben Ethernet. Dessen erste Version brachte es zwar nur auf 3 MBit/s, das war aber immer noch deutlich schneller als serielle Verbindungen, mit denen man bis dahin Rechner und Terminals verbunden hatte.
Dank seiner offenen Architektur setzte sich Ethernet schon bald durch: Bereits Anfang der Achtzigerjahre gab es eine 10 MBit/s-Version auf der Grundlage von Koaxialkabeln. Dafür hatten sich DEC, Intel und Xerox zusammengetan und gemeinsam den so genannten DIX-Standard entwickelt, der 1985 von einer IEEE-Arbeitsgruppe in den Standard 802.3 überführt wurde. Diese Norm wird  bis heute fortgeschrieben. Sie legt Kabeltypen, Stecker, Signalformen, Paketformate und dergleichen fest, was für die Datenübertragung innerhalb der OSI-Schichten 1 und 2 benötigt wird.  
Ende der Achtzigerjahre kamen Twisted Pair-Kabel auf, was 1990 im Ethernet-Standard 10Base-T seinen Niederschlag fand. Schon Anfang der Neunzigerjahre basierten in den USA nahezu alle Netzinstallationen auf sternförmiger Verkabelung mit Unshielded Twisted Pair (UTP), wogegen sich in Europa die Bus-Topologie mit Koaxkabel (10BASE2) noch etwas länger hielt. Mancher mag sich erinnern: Ein Admin dieser Zeit hatte immer ein T-Stück und einen Abschlusswiderstand in der Tasche. Bereits im Februar 1993 legten dann jedoch 178 Standardisierungsexperten des 802.3-Komitees 100 MBit/s mit Twisted Pair-Kabeln als neuen "Fast Ethernet"-Standard fest.  Konkurrenten wie FDDI galten schnell als zu teuer und zu aufwändig, ARCnet verlor mit Fast Ethernet Geschwindigkeitsvorteil und Bedeutung. Die Obergrenze für Ethernet liegt heute bei 100 GBit/s, der zugehörige Standard wurde erst 2010 verabschiedet.
Heute ist Ethernet allgegenwärtig. Unsere vernetzte Welt wäre in ihrer heutigen Form nicht vorstellbar, wäre vor 35 Jahren unter der Nummer 4,063,220 nicht das Patent auf ein "Multipoint data communication system with collision detection" erteilt worden.

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