Was das Backup wert war, erweist sich, sobald man es versucht ganz oder teilweise wiederherzustellen. Spätestens dann macht sich die Wahl des richtigen Tools ... (mehr)

Die Vorteile

Die Konfiguration von Mlmmj erfolgt ausschließlich auf der Kommandozeile, eine Weboberfläche gibt es nicht. Einstellungen werden wie beschrieben in Steuerdateien abgelegt, pro Datei eine Option. Dieser Verzicht auf spezielle Tools oder XML-Formate ermöglicht die einfache Automatisierung mit Skripten. Besonders vorteilhaft ist, dass auch Postings auf die Liste in einzelnen Dateien abgelegt werden – eine Datei pro E-Mail. Das hat im Vergleich zum großen Bruder Mailman einige entscheidende Vorteile: Backups gehen wesentlich schneller, da nur die jeweils neuen Dateien, die aufsteigend nummeriert sind, gesichert werden müssen. Wer schon einmal ein mehrere Gigabyte großes Mailman-Archiv sichern wollte, sei es übers Netzwerk oder per USB/DVD, der weiß, wie umständlich das sein kann.

Zugegeben, die oben gezeigte Konfiguration wirkt wenig intuitiv, sie lässt sich jedoch mit ein wenig Skriptarbeit im Handumdrehen auf einen Befehl reduzieren, mit dem binnen weniger Sekunden neue Listen eingerichtet und konfiguriert sind. Auch die komfortable Moderation per E-Mail ist ein wichtiger Bonus, den zumindest Mailman in der Form noch nicht bieten kann.

Probleme und Lösungen

Trotz der Vorteile lässt Mlmmj einige essenzielle Funktionen vermissen. So stellte sich schnell heraus, dass es zwar Möglichkeiten bietet, Inhalte zu blocken, aber Filtermöglichkeiten für Nachrichteninhalte fehlen. Anders ausgedrückt: Entweder werden HTML-Mails oder Nachrichten mit Anhang komplett verworfen, oder aber unmodifiziert zugestellt – beides keine gute Wahl. Abhilfe schafft hier die selbst geschriebene ErweiterungPyMIME, die Mails um diese unnützen Elemente bereinigt und erst dann zustellt. Die komplett neu geschriebene Version, die in Kürze verfügbar ist, unterstützt dies sogar in Abhängigkeit von Absender, Empfänger und MIME-Typ.

Auch eine weitere Unzulänglichkeit lässt sich mit PyMIME beheben: Zwar beherrscht Mlmmj das Anfügen von Footern unter jede E-Mail, patzt jedoch bei der Konvertierung. Wird der lokal meist in UTF-8 abgespeicherte Footer unter eine Mail mit ISO-8859-15-Zeichensatz angefügt, sind Umlaute und Sonderzeichen nicht mehr lesbar. PyMIME hingegen konvertiert ihn in den jeweils richtigen Zeichensatz und beherrscht in der neuen Version auch Vorlagen mit Variablen.

Gewöhnungsbedürftig ist auch die Verwaltung der verschiedenen Abo-Varianten, denn neben der regulären Mailzustellung beherrscht Mlmmj auch den Digest-Modus und die Nomail-Variante, beispielweise für Nutzer von Gmane oder Nabble. Die Tatsache, dass die meisten Nutzer ohnehin nur einen Typ wählen, berücksichtigt es indes nicht, wodurch unverständliche Abmeldeadressen wie »discuss+unsubscribe-digest@de.libreoffice.org« entstehen, was regelmäßig für Verwirrung sorgt. In künftigen Versionen soll dieses Verhalten jedoch verbessert werden.

Die Moderation selbst erfolgt per E-Mail. Moderatoren erhalten Nachrichten von unbekannten Absendern oder mit fragwürdigem Inhalt als Anhang – reagieren sie binnen sieben Tagen nicht mit einer Antwort an die Moderationsadresse, verfällt die Nachricht. Leider schneidet Mlmmj in der aktuellen Version die Moderationsvorlage nach 100 Zeichen ab und beherrscht das Dekodieren von Base64-Nachrichten noch nicht, doch auch dafür verspricht die kommende Version eine Lösung. Überhaupt wirkt die Community rund um den australischen Hauptentwickler Ben Schmidt sehr agil und implementiert Vorschläge sehr zügig.

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